Fiktiver Veräußerungsgewinn: Steuer zahlen, ohne etwas verkauft zu haben
Das ist der Punkt, den viele Unternehmer erst im Beratungsgespräch verstehen: Beim Wegzug fließt kein Euro, trotzdem verlangt das Finanzamt Steuern. Der Staat tut so, als hätten Sie Ihre GmbH-Anteile am Tag des Wegzugs verkauft. Die Steuer ist echt, der Gewinn ist es nicht.
Video: Exit-Steuer: Staat kassiert dein fiktives Vermögen | Wegzugssteuer 2026
Geprüft von Roland Elias, Steuerberater
So entsteht der fiktive Gewinn
Angesetzt wird der gemeine Wert der Anteile zum Wegzugszeitpunkt, abgezogen werden die Anschaffungskosten. Auf die Differenz wendet das Finanzamt das Teileinkünfteverfahren an: 60 % sind steuerpflichtig.
Ein Beispiel: GmbH-Anteile mit einem Wert von 2 Mio. €, Stammkapital 25.000 €. Fiktiver Gewinn rund 1,975 Mio. €, davon 60 % steuerpflichtig – bei Spitzensteuersatz ergibt das eine Steuer im Bereich von rund 500.000 €. Und zwar ohne einen Cent Kaufpreis.
Warum das zur Liquiditätsfalle wird
- Das Vermögen steckt im Unternehmen, nicht auf dem Konto
- Eine Ausschüttung zur Finanzierung löst selbst wieder Steuern aus
- Ratenzahlung über sieben Jahre gibt es nur gegen Sicherheitsleistung
- Ein zu hoch angesetzter Unternehmenswert erhöht die Steuer unmittelbar
Wo man ansetzen kann
- Saubere, belastbare Unternehmensbewertung statt Pauschalwert
- Zeitpunkt des Wegzugs im Verhältnis zur Ertragsentwicklung planen
- Ratenzahlung und Sicherheiten frühzeitig vorbereiten
- Strukturfragen (Holding, Umwandlung) mit ausreichend Vorlauf prüfen
Häufige Fragen
Muss ich wirklich zahlen, obwohl ich nichts verkauft habe?
Ja. § 6 AStG fingiert die Veräußerung. Die Steuer wird mit dem Wegzug festgesetzt.
Was passiert, wenn ich die Anteile später wirklich verkaufe?
Der bereits besteuerte Wertzuwachs wird beim späteren Verkauf berücksichtigt. Für den Zuwachs nach dem Wegzug kommt es auf das Besteuerungsrecht im neuen Wohnsitzstaat an.
Kann ich den Wert selbst festlegen?
Nein, aber Sie können ihn begründen. Eine nachvollziehbare Bewertung ist das wichtigste Werkzeug gegen einen überhöhten Ansatz.